Ein guter Start ins Pferdeleben ... von Anfang an
Am 21. November 2009 kommt Trú in ihrer neuen Heimat, dem Malefinkbachhof, an. Trú – das ist eine rohe, viereinhalbjährige Islandpferd-Stute, die von ihrer neuen Besitzerin glücklich in Empfang genommen wird. Eine neue Tier-Mensch-Partnerschaft beginnt heute, wohl durchdacht, geplant und mit den besten Voraussetzungen.
Was ging dem voraus? Nach dem Tod des alten Pferdes – nach langer und schöner Gnadenbrotzeit in Herde, mit Menschenkontakt und bei besten Haltungsbedingungen – sollte nun ein neues Pferd her. Wie sollte es sein, welche Erwartungen sollte es erfüllen können?

Es sollte in jedem Fall ein Isländer sein, unter anderem aus dem Gesichtspunkt heraus, dass der Mensch mit zunehmenden Altersjahren einer rückenmäßigen Schonung bedarf, und dies bietet die Pferderasse Isländer mit einer zusätzlichen Gangart, dem Tölt.
Das neue Pferd sollte nicht zu groß sein – auch hier in den Proportionen seinem Menschen entsprechen, aus artgerechter Haltungsform und Herdenhaltung stammend, nicht zu fordernd im Beschäftigungsanspruch, wenn einmal weniger Zeit zur Verfügung steht.
Es sollte jung sein – ob bereits geritten oder nicht, war nachrangig – um durch entsprechendes Training langfristig zu einem wunderbaren und langjährigen Freizeitpartner zu werden: mutig und unerschrocken, leistungsbereit und motiviert, etwas mit seinem Menschen zu unternehmen, entspannt rittig in der Bahn und geländesicher, lebendig, jedoch leicht händelbar, gut erzogen im Umgang und unter dem Sattel, menschenbezogen, in der Herde und anderen Hoftieren gegenüber verträglich. Geschlecht und Farbe war zunächst nachrangig, wobei die Tendenz zur Stute hin doch größer war.
Die Suche im Internet nach geeigneten Pferden begann und die Besichtigungstermine bei einigen Züchtern im näheren regionalen Raum waren schnell vereinbart. Sachkundige Beratung sollte dabei sein, also waren die Termine auch mit der zukünftigen Trainerin abzustimmen.
Bei den Besichtigungen zeigte sich nun erst einmal die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. Gerittene Isländer waren (auch jung an Jahren) zu bekommen – aber überwiegend völlig verspannt und verschreckt, weil ihr Training schwerpunktmäßig auf ihre Töltveranlagung abzielte und nicht auf altersgerechte Erziehung, schonendes Einreiten und einem Schwerpunkt von zunächst ausbalancierten Grundgangarten Schritt, Trab, Galopp – sondern direkt nur auf dem Tölt.
Bei einem Züchter fand sich ein sehr gutes Ausbildungsprinzip – dort wurden die Pferde dann allerdings anschließend im Wanderreitbetrieb eingesetzt, was wieder zu nicht kontrollierbaren Einflüssen auf's Pferd führt, die uns nicht immer förderlich schienen. Insofern wäre für uns auch hier ein ungerittenes Pferd die bessere Wahl gewesen.
Aber schließlich wurden wir fündig: Der Hobbyzüchter Robert Heithorst aus Blankenheim züchtet in Familientradition nun schon etliche Jahre Isländer. Seit 1976 großer Freund des Islandpferdes nahm die familiäre Zucht im Jahr 1989 – begonnen durch seine Eltern – ihren Anfang; auch seine Frau Ariane ist eine begeisterter Islandpferde-Freundin und wirkt bei den damit verbundenen Arbeiten rundum mit. Robert und Ariane sind stolz auf ihre Herde, ihre Zuchterfolge; ihre Pferde, die in bester Haltung mit Familienanschluss groß und zu freundlichen Familienpferden werden.
Hier nun fanden wir endlich, was wir suchen: Pferde, die freundlich und menschenbezogen, entspannt, neugierig und unerschrocken ihre Umwelt in Augenschein nehmen. Der Körperbau ist harmonisch, die Pferde werden von Fohlen an durch den Züchter an für uns selbstverständliche Dinge gewöhnt: Sie lassen sich aufhalftern, stehen ruhig angebunden nebeneinander, lassen sich führen ohne drängeln und stürmen, stehen ruhig an der Hand, heben die Hufe, um vom Schmied versorgt zu werden, lassen Körperkontakte überall ohne Angst zu.
Bei unseren Gesprächen stand das Pferd der Wahl (aus drei in Frage kommenden herausgefiltert) ruhig neben uns, nahm mal Schnupperkontakt auf, war aber auch leicht wieder auf Abstand zu bringen, unerschrocken und neugierig bei allem, was im Umfeld passierte. Bei der Vorführung der Bewegungsabläufe im Roundpen (wie schön – der Züchter kannte die Vorzüge eines Roundpens) zeigte sie sich von ihrer besten Seite, Pfützen war egal, der Isländer ian sich st nicht wasserscheu, und ein sich in der Longe verwickeln (das erste Mal an der Longe laufen ist ein Abenteuer) war nicht schlimm, denn was sich verwickeln lässt, lässt sich auch ruhig und gelassen wieder auswickeln. Die Grundgangarten waren klar und taktrein. Dass der Tölt später von selbst hinzu kommt und dass der zukünftige Reiter trainiert werden muss, um durch korrekte Hilfen den Tölt auszulösen, darüber hatte Frau Neumann sich schon im Vorfeld hinreichend informiert. Die junge Stute zeigte sich daran interessiert zu verstehen, was man von ihr wollte – eine Voraussetzung, die die erste Darbietung im Roundpen vollkommen harmonisch und gelassen verlaufen ließ. Handwechsel – kein Problem. Und das obwohl nichts geprobt, nichts einstudiert war, da ein Sterbefall in der Familie dem Züchter keine Zeit dazu gelassen hatte.
Und das große optische Tüpfelchen auf dem I: Windfarbe – eine Farbe, die man nur bei Isländern, und auch da nur selten – findet.
Der erste Eindruck war also: OK – dies ist nun Trú; und sie soll das neue Pferd von Daisy werden.
Aber erstmal musste ein Termin mit dem Tierarzt für die Ankaufsuntersuchung vereinbart werden. Denn, so nett das Pferd sich auch zeigt, gesundheitlich muss auch alles stimmen. Ein Pferd ist als Freizeitpartner nur einsetzbar, wenn seine Beine und Hufe in Ordnung sind, wenn Fehlstellungen hier nicht schon in jungen Jahren auf spätere Einschränkungen hindeuten. Wenn Luftvolumen und Herztätigkeit in Ordnung sind, denn wenn das Pferd Atemwegsprobleme hat, ist es mit dem Reiten und der Belastbarkeit bald nicht mehr weit her.
Außerdem ist beim Kauf eines Isländers immer noch ganz wichtig: Ekzemer oder nicht? „Oder nicht“ ist in jedem Fall besser und anzustreben. Durch gezielte Auswahl innerhalb der Zuchtlinien kann ein Züchter hier schon viel Einfluss nehmen. Das war uns auch sehr wichtig, denn wer einmal ein Pferd gesehen hat, dass sich vor lauter Juckreiz nicht zu helfen weiß und sich Mähnenkamm, Schweifrübe und Bauchnaht bis aufs Blut aufscheuert, der weiß, wie schlimm es für Pferde – und natürlich auch ihre Besitzer– ist, dem Übel Einhalt zu gebieten. Dem ist oft nur durch umständliche Haltungs-, Fütterungs-maßnahmen und dem kompletten Eindecken der Pferde entgegenzuwirken.
Aber: Auch der Tierarztbesuch verlief ohne Probleme. Und so war der Termin zur Übersiedlung ins neue Heim schnell gefunden und hier kommt sie nun an:

Wie man sieht, fühlt sie sich schnell heimisch, Besitzerin und Trainerin nehmen sie in Empfang und zeigen ihr das neue Zuhause. Im Roundpen mal schnell zur Entspannung wälzen nach der langen Fahrt (auch das zum erstes Mal) und dann Bezug des neuen Appartements mit Südterrasse.


Da Trú bisher nur draußen auf der Weide gelebt hat, war auch das eine Umstellung, wurde aber mit netten Nachbarn schnell akzeptiert. Und am nächsten Morgen geht’s erstmal mit den neuen Kameradeninnen auf die Weide. Und da zeigt sich, dass ein Isländer entgegen mancher Meinung kein Rassist ist, sondern mit QHs, Painthorses, Warmblütern, Friesen und anderen Ponyrassen prima zurechtkommt. Wer sagt´s denn: Willkommen, Trú, im neuen Leben.

An dieser Stelle werden wir nun weiter berichten, wie es Trú bei der bevorstehenden Ausbildung ergeht, wie aus einem rohen Pferd ein verläßlicher Freizeitpartner für den Menschen wird.
Regelmäßig werden wir Abschnitte aus ihrem Ausbildungsverlauf veröffentlichen. Freuen Sie sich mit uns darauf: Trú auf dem Weg zum Reitpferd!